Blei wurde auf die REACH Kandidatenliste aufgenommen: Welche Auswirkungen hat dieser Beschluss auf die Zinkindustrie? - Post Image

Gepostet von Frank Schlipf | 18 SEP, 2018

Blei wurde auf die REACH Kandidatenliste aufgenommen: Welche Auswirkungen hat dieser Beschluss auf die Zinkindustrie?

Mitte Juni hat das ECHA Member State Committee (MSC) die Aufnahme des Metalls Blei auf die REACH Kandidatenliste der für eine Zulassung in Frage kommenden besonders besorgniserregenden Stoffe (Substances of very high concern, SVHC) beschlossen. Am 27. Juni 2018 ist dieser Beschluss in Kraft getreten und somit bindend. Nachfolgend werden einige Auswirkungen auf das Stückverzinken und die Zinkthermodiffusion vorgestellt.

Was bedeutet «REACH»?

Die Abkürzung «REACH» steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, also für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Als EU-Verordnung besitzt REACH in allen Mitgliedstaaten gleichermassen und unmittelbar ihre Gültigkeit. Das Hauptziel von REACH ist es, Stoffe einheitlich zu registrieren (REACH-Registrierungsnummer) und damit eine durchgängige Kommunikation in der Lieferkette zu erzwingen. Dies geschieht nach dem Prinzip «no data, no market». Basis hierfür sind Registrierungsdossiers und gegebenenfalls Stoffsicherheitsberichte (ab > 10t). Wird anhand der Stoffsicherheitsbewertung festgestellt, dass der Stoff als gefährlich einzustufen oder als PBT/vBvP zu beurteilen ist, wird auch die Erarbeitung von Expositionsszenarien nötig. Wesentliche Teile hiervon sind für die Öffentlichkeit via Internetdatenbank (www.echa.europa.eu) zugänglich.

Einstufung von Blei als reproduktionstoxisch Kategorie 1A

Die potentiell toxischen Auswirkungen von Bleiverbindungen sind weitgehend bekannt. Deshalb wird heute auf bleihaltige Farben verzichtet und ausschliesslich bleifreies Benzin getankt. Am 1. März 2018 wurde die Einstufung von Blei-Metall und Bleipulver rechtswirksam. Metallisches Blei sowie bleihaltige Gemische und Legierungen werden als reproduktionstoxisch in der stärksten Kategorie (Kategorie 1A) eingestuft und erfüllen damit die Bedingung zur Aufnahme in die SVHC Kandidaten-Liste. Die Grenzwerte zur Einstufung als Gefahrenstoff sind die folgenden:

  • Massives Blei und bleihaltige Gemische/Legierungen: > 0,3% Bleigehalt
  • Bleipulver: > 0,03% Bleigehalt

Davon betroffen ist auch die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied, da die Schweiz die Bestimmungen 1:1 übernimmt.

Blei als Zusatz beim Feuerverzinken

Beim Stückverzinken wird Blei in Konzentrationen von 0,05 bis 1% eingesetzt. Blei bietet den Vorteil, dass es die Oberflächenspannung der Zinkschmelze senkt und die Entfernung von Rückständen aus dem Verzinkungskessel erleichtert. Rückstände aus der Stückverzinkung können Blei in Konzentrationen von > 0,3% enthalten. Diese Rückstände werden normalerweise als Abfälle verwertet und unterliegen daher bereits dem Abfallregime.

Auf das von Thermission eingesetzte Zinkpulver hat die neue Regelung keinen Einfluss

Eine der Hauptzutaten für die Zinkthermodiffusion, ist Zinkpulver. Dieses wird in unterschiedlichen Qualitäten hergestellt. Aus Zinkerz gewonnene Zinkkonzentrate enthalten beispielsweise durchschnittlich 1,5% Blei, da Zink und Blei im Erz meist vergesellschaftet sind. Der Bereich Zinkpulver kann demzufolge von der Neueinstufung von Blei betroffen sein. Beim von Thermission eingesetzten Zinkpulver ist dies dank einer Bleikonzentration von maximal 0,005% nicht der Fall.

In Vergangenheit stand Zink bereits im Zentrum von Diskussionen da dieses nach CLP als gefährlicher Stoff bzw. Gefahrenstoff eingestuft ist, wenn auch nicht als reproduktionstoxisch. Im Gegensatz zu Blei ist Zink aber ein für Mensch und Tier essenzielles Spurenelement und zum Beispiel verantwortlich für ein gutes Sehvermögen oder die funktionierenden Selbstheilungskräfte des Körpers. Es ist also wie so oft im Leben: «Die Dosis macht das Gift».

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Frank Schlipf

Geschrieben von Frank Schlipf

Chief Development Officer

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